
Erröten des Gänseblümchens (Code 065) - Bai Shao
weitere Informationen Inmitten des Reiches befand sich ein kleines Dorf. Es war ruhig in einem Bergtal gelegen. Im vergangenen Jahr war jedoch alles anders. Es kam kein Regen – weder im Frühling, noch im Sommer. Und wenn es das Wasser aus dem Bach nicht geben würde, dann würden sie im Herbst auch nichts ernten können. Nach dem schneelosen Winter kam der Frühling. Jedoch immer noch ohne Regen. Im Dorf lebte ein Mädchen. Sie war von klein auf wunderschön und mit zunehmendem Alter wurde sie immer noch schöner. Man nannte sie Tausendschön. Zuerst wollte sie nicht, dass jemand auf sie zeigt. Je länger es nicht regnete, desto mehr wurde sie jedoch durch Schmerzen gequält. Und je weniger das Wasser im Bach wurde, desto schwächer strömte auch ihr Blut. Und eines Tages vertrocknete der Bach vollständig. Die alten Bewohner begannen mit der Stirn zu runzeln. Niemand wusste, was man tun könnte. In diesem qualvollen Zustand verging ein Tag, zwei Tage. Am dritten Tag donnerte es vom Berg. War dies ein Gewitter? Würde nun endlich Regen kommen? Stille. Nicht einmal ein Tropfen. „Der Berg gab ein Zeichen. Ich breche nun auf um festzustellen, wohin das Wasser verschwunden ist.“ Die älteren Bewohner runzelten überrascht die Augenbrauen. Sie wollten Tausendschön aufhalten, jedoch blieb von dem Mädchen nur Staub zurück. Das ganze Dorf sah ihr hinterher. Nicht einmal der tapferste Junge folgte dem Mädchen in den Abgrund. Das Mädchen kletterte immer höher. Scharfe Felsen. Geröll. Stechende Sonne. Am schlimmsten war jedoch der Schmerz. Im Bauch. In den Beinen. Und noch dazu aufgeschürfte Hände. Ende. Sie legte sich hin auf den Steinen. Sie sammelte ihre letzten Kräfte. Sie wollte sich von dieser Welt zumindest mit einem Lied verabschieden. Über die Lippen konnte sie jedoch nur „Kuck – uck!“ sagen.
Mitten in den Bergen gab es noch ein anderes Dorf. Und auch in deren Bach begann das Wasser zu schwinden. Der Ältestenrat entschied deshalb, dass auserwählte Jungen sich auf den Weg machen sollten, um herauszufinden, woher sie mehr Wasser nehmen könnten. Sie gingen und kletterten entlang des Baches, bis sie auf den Gipfel des Bergkamms gelangten. Siehe da, eine Quelle! Und dass Wasser floss auf der anderen Seite des Berges hinunter. Sie stauten die Quelle und leiteten das Wasser zu ihnen ins Tal ab. Im Dorf wurden sie als Helden empfangen. Sie feierten einen Tag, zwei Tage. Am dritten Tag donnerte es vom Berg. Bedeutete dies das Ende der Talsperre? Der gewandteste Junge stieg die Böschung hinauf, bevor jemand es schaffte, etwas zu sagen. Auf dem Kamm stützte er sich mit Erleichterung auf kühlende Steine. Auf der anderen Seite ließ die Talsperre jedoch kein einziges Tröpfchen durch. Aber - was war denn das? Ein Kuckuck? Hier?
Plumps, plumps. Das Wasser floss in ihre Rachenhöhle. Das blaue Tuch spülte ihr ins Gesicht. Sie öffnete die Augen und sah den besorgten Blick des Jungen. War es ein Traum? Verschwollene Beine und Schmerzen im Bauch brachten sie jedoch schnell in die Wirklichkeit zurück. Der Retter war noch immer bei ihr. Er strich ihr über die Fußsohlen und auch über die Schläfen. Tausendschön kehrten die Kräfte zurück und so war sie in der Lage, dem Jungen alles zu schildern. Er zögerte nicht lange und baute die Talsperre mit eigenen Händen wieder ab. Die Wangen des Mädchens wurden rot, als er sie in die Arme nahm. Und er trug sie ins Dorf hinunter. Hier wurden sie bereits vom Rauschen des Baches und von Stimmengewirr empfangen. Tausendschön erholte sich schneller als ein Sturzbach. Nicht nur dank dem Wasser, sondern auch dank jener Kräuter, die der Junge für sie gesammelt hatte. Anschließend gingen sie gemeinsam über den Berg in das Dorf des Jungen. Dort begegneten sie argwöhnischen Blicken. Warum gab es nun weniger Wasser? Nun würde man ja nicht mehr so viele Wasservorräte ansammeln können! Die Begeisterung des Jungen und die Schönheit des Mädchens überzeugten sie jedoch sehr schnell. Geschweige denn, als Tausendschön am Abend am Feuer begann zu singen. Es dauerte nicht lange und sie feierten Hochzeit. An der Spitze des Umzugs brachen sie wieder in das Tal des Mädchens auf. Was für eine Überraschung! Vom Kamm her regnete es! Und an den Ufern des Baches im Tal wurden sie von märchenhaften Blüten bestreut. „Tausendschön, wir haben sie nach dir benannt!“
Aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin stärkt Bai Shao (Paeoniae lactiflorae radix) die ungenügende Blutung, regelt die Menstruation und behält das ungenügende Yin zurück. Dieses Kraut ist beispielsweise in der Kräutermischung Errötung des Gänseblümchens (Code 065) enthalten.
Vom Standpunkt der der modernen Medizin aus gesehen, wird es bei Wechseljahresbeschwerden, Kopfschmerzen oder bei Zöliakie verwendet.
Nähere Informationen über die traditionelle chinesische Medizin entnehmen Sie den Büchern Auf der Welle der chinesischen Medizin (2002) und Von der Quelle der chinesischen Medizin (2007).
MUDr. Petr Hoffmann